|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
| ISBN: 3170182188 ISBN: 3170182188 ISBN: 3170182188 ISBN: 3170182188 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
Wir empfehlen: | |||||||||||||||||||||||||||||||||
AUTISMUS
Psychologiearbeit
Was ist Autismus?
Die Wortschöpfung Autismus geht auf den bekannten Schweizer Psychiater
Eugen Bleuler zurück. Er prägte 1911 die Begriffe
«autistisch» und «Autismus». Autismus bedeutet - von der
griechischen Wurzel des Wortes «autos» betrachtet -
«selbst». Natürlich waren die Symptome schon lange bevor es den
Begriff Autismus gab bekannt. Bleuler betrachtete den Autismus als
einseitig auf sich bezogenes Denken, und sah den autistischen Rückzug als
eine Begleiterscheinung schizophrener Erkrankungen.
Autistische Kinder können zunächst keine Geste, kein
Lächeln, kein Wort verstehen. Sie ziehen sich zurück, kapseln sich
»autistisch« ab. Jede Veränderung in ihrer Umwelt erregt sie
stark. Autistische Kinder können nicht spielen und benutzen ihr Spielzeug
in immer gleicher, oft zweckentfremdeter Art und Weise. Sie entwickeln
Stereotypien: z.B. Drehen und Kreiseln von Rädern u.a., Wedeln mit
Fäden oder Papier.
Diese sind allerdings in ihrer Zusammensetzung und ihrem
Ausprägungsgrad von Kind zu Kind unterschiedlich. Autistische Kinder haben
häufig vom Säuglingsalter an Probleme beim Essen und Schlafen und
entwickeln selbststimulierende Verhaltensweisen, die bis zur Selbstverletzung
reichen können. Sie bestehen zwanghaft auf ganz bestimmte Ordnungen oder
können ihre Eltern zur Verzweiflung bringen durch exzessives Sammeln
bestimmter Gegenstände, durch ihre Weigerung, bestimmte Kleidung zu tragen
oder Wiederholung immer derselben Verhaltensweisen. Eine mögliche
Erklärung sehen Mediziner in dem Versuch, damit Aufmerksamkeit zu erzwingen
und auf diese Weise mit der Außenwelt zu kommunizieren.
Im weiteren sind bei autistischen Kindern oft
«Intelligenzdefizite» beobachtbar, die unabhängig von den
autistischen Verhaltensstörungen zu sein scheinen. Das bedeutet, daß
neben der autismusspezifischen Behinderung häufig auch eine geistige
Behinderung besteht. Unabhängig vom Intelligenzniveau findet man bei
autistischen Kindern die sogenannten autismusspezifischen Störungen der
Sprach- und Sozialentwicklung. Diese Störungsanteile werden wiederum auf
die tiefgreifende Entwicklungsstörung zurückgeführt, bei der es
sich um eine schwere qualitative Abweichung vom normalen Entwicklungsverlauf
handelt, die in keinem Entwicklungsstadium normal ist. Das eigentliche Merkmal
der autistischen Störungen ist die qualitative Verformung der Entwicklung,
die sowohl das Sozialverhalten, die verbale und nonverbale Kommunikation als
auch das vorstellungsmäßige Denken betrifft. Die
entwicklungspsychologische Sichtweise ermöglicht es, das gestörte
Verhalten autistischer Kinder als Ausdruck der Entwicklungsveränderung zu
erklären, aufgrund derer die eingeschränkten und stereotypen
Verhaltensweisen als qualitativ anders und nicht bloß als
«sinnlos» betrachtet werden.
Häufigkeit von AutismusWeltweit gesehen sind von 10 000 Kindern ungefähr 4 bis 5 autistisch.
Von der Störung sind Buben 4 mal häufiger betroffen als Mädchen,
wobei zu bemerken ist, das frühkindlicher Autismus in Familien aller
Rassen und sozialer Schichten auftritt.
Gründe für AutismusAutismus zählt neben Schizophrenie und manischer Depression zu den nur
wenig verstandenen neuronalen Erkrankungen. Deshalb gibt es trotz umfangreicher
Forschungsergebnisse bislang noch kein Erklärungsmodell, das
vollständig und schlüssig die Entstehungsursachen des
Frühkindlichen Autismus belegen kann. Ätiologieforschung umfaßt
den psychogenen Verursachungsbereich den genetischen Bereich und den
neurobiologischen und neuropathologischen Bereich. In den 80er Jahren wurde
festgestellt, daß bei einem autistischen Elternteil rund 50 Prozent der
Kinder ebenfalls von der Krankheit betroffen sind.
Neuesten Forschungsergebnissen aus den USA zufolge, spielt der
Hirnbotenstoff Serotonin eine wesentliche Rolle beim Ausbruch des
Autismus. Es wurde ein bestimmtes Gen entdeckt (das sogenannte
Serotonin-Transportprotein-Gen HTT), das die Transporteiweiße für den
Hirnbotenstoff Serotonin kodiert, und verstärkt bei Autisten
vorkommt.
Der Symptomkomplex AutismusBei dem Begriff Autismus kann man zwischen vier Formen des Autismus
unterscheiden, die die Entwicklung der Autismusforschung bis in die 70er Jahre
deutlich wiedergeben. Dabei wird anhand der Bezeichnungen der einzelnen
Symptomgruppen deutlich, daß hier eine Ordnung nach den Ursachen
geschieht.
Im Folgenden werden die einzelnen Symptomgruppen zusammengefaßt:
1.) psychogener Autismus
•Störungen
der Kommunikationsfähigkeit
•emotionale
Indifferenz
•fehlende
Initiative und mangelnde Intuition als Begleit- und Folgeerscheinungen
langanhaltender emotionaler Frustrationen
•unbeteiligtes,
passives Verhalten der Kinder
•retardierte
statomotorische und sprachliche Entwicklung
•geringe
emotionale Beziehungsfähigkeit
•starke
Zärtlichkeitsbedürfnisse
2.) Das Asperger-Syndrom (Autistische Psychopathie)
Definition: "Form des Autismus, die sich meist im Schulalter mit schwerer
Kontaktstörung manifestiert."
Das Asperger-Syndrom wird von mehreren Faktoren bestimmt.
emotionale Faktoren:•emotionale Hemmung, d.h. Tendenz zur Abkapselung und
Selbstisolierung als zentrales Symptom
•Kinder wirken ernst, egoistisch, extrem introvertiert und vorzeitig
gereift
physiognomische Faktoren•scharf gezogene Gesichtszüge
•prinzenhaft, frühreif, gespannt und problemgeladen
•leerer unbestimmter Blick, der sich nicht durch optische und
akustische Reize fixieren läßt
sprachliche Faktoren•oft eintönig leiernde Sprachmelodie
•aber auch überspitzt betonte, theatralische Sprechweise
möglich
•auffallende sprachschöpferische Fähigkeiten
•Sprachentwicklung
setzt oft auffallend früh, wesentlich früher als das Gehen ein, und
erreicht rasch einen hohen Vollkommenheitsgrad
Motorische Faktoren•motorisch oft auffallend ungeschickt
•unvollkommen entwickeltes Körperschema
•eindeutig negative Einstellung zur Körpersphäre
•relativ spätes Erlernen altersadäquater Kulturtechniken
Kognitive Faktoren•meist durchschnittlich, gelegentlich überdurchschnittlich
selten unterdurchschnittlich Intelligent
•oft Vorlieben für bestimmte Kenntnis- und Wissensbereiche, die
das Allgemeinwissen deutlich dominieren.
Spielverhalten•stereotype Gewohnheitshandlungen stehen deutlich vor komplexen
Spielen
•oftmals erhalten bedeutungslose, allenfalls vorübergehend
genutzte Gegenstände eine überwertige Bedeutung.
3.) Das Kanner-Syndrom (Frühkindlicher Autismus)
Definition: "Form des Autismus, die sich meist vor dem 3. Lebensjahr unter
anderem mit Entwicklungsrückstand, Stereotypien, Kontaktstörungen u.
verzögerter Sprachentwicklung manifestiert, und eventuell mit einem
Intelligenzdefekt einhergeht"
Der frühkindliche Autismus ist ein relativ seltenes Krankheitsbild,
das in den USA von Kanner in 10 Jahren unter zahlreichen ihm
vorgestellten Kindern nur 150mal festgestellt wurde.
Kardinalsymptome•extreme Abkapselung aus der menschlichen Umwelt
•ein ängstlich zwanghaftes Bedürfnis nach Gleicherhaltung
der dinglichen Umwelt (Veränderungsangst)
(Diese beiden Symptome sind immer vorhanden, wenn frühkindlicher
Autismus vorliegt. )
Sekundärsymptome•Störung
der Intelligenzentwicklung (ist oft nur eine Folge der autistischen
Primärsymptomatik, ähnlich kognitiver Behinderungen infolge von
Taubheit.)
•Störung
der Sprachentwicklung zum Beispiel: Echolalie (wird bei zwei Drittel der
betroffenen Kinder festgestellt.)
•bei den
sprechenden Kindern werden oft erstaunliche Gedächtnisleistungen
festgestellt, die jedoch meist unwichtige Interessengebiete betreffen.
•Bei der
Sprache werden häufig Neologismen, verbale Iterationen, agrammatische
Satzbildungen und Echolalien beobachtet.
•D. Weber
wies auf bestimmte motorische Auffälligkeiten hin, die sich auch bei
blinden Kindern recht häufig zeigen. (Augenbohren, Hand - Finger
Mechanismen, mimische Auffälligkeiten)
4.) somatogener Autismus
Der somatogene Autismus weist keine syndromspezifische Symptomatik auf, er
ist vielmehr abhängig vom Nachweis neuropathologischer Befunde.
Hier steht nicht die Ausklammerung der Umgebung im Vordergrund, sondern ein
Verharren in der Kontaktschwäche, das durch die Isolierung von der Umwelt
verstärkt wird.
Der somatogene Autismus ist kausal abhängig von anderen
hirnorganischen Störungen.
Autismustherapie
So multikausal wie sich das Syndrom darstellt, so multifaktoriell an der
Problematik des einzelnen Kindes ausgerichtet müssen die pädagogischen
und therapeutischen Ansätze sein.
Bevor man sich mit dem Wie einer Therapie befaßt, und diese
anzuwenden versucht, sollte man sich darüber im klaren sein, welche Ziele
mit dieser Therapie erreicht werden sollen. Zur praktischen Durchführung
einer Therapie ist es nötig Teilziele zu definieren, da dies eine bessere
Überprüfbarkeit der therapeutischen Arbeit ermöglicht. Diese
sollten aber möglichst nicht vom einzelnen Therapeuten, sondern von der
Gruppe der mit dem einzelnen Kind beschäftigten Bezugspersonen,
einschließlich Eltern, Heimbetreuer etc. definiert werden.
Verschiedene Behandlungsansätze
Abhängig von den verschiedenen Theorien der Ursachen des Autismus
existieren verschiedene Ansätze zur Therapie desselben.
1. Tiefenpsychologische Ansätze
Die wohl ältesten Ansätze basieren auf einer
tiefenpsychologischen Sichtweise des Phänomens Autismus.
2. Verhaltensorientierte Autismustherapie
Die Verhaltensorientierte Autismustherapie nach Ivar Lovaas geht von
drei Grundannahmen aus:
1.Autismus ist
keine Beziehungsstörung, sondern eine Störung der Perzeption
(Wahrnehmung) und Kognition.
2.Man muß
die Ursachen des Autismus nicht kennen, um die Störung behandeln zu
können. Behandlungserfolg besteht im Aufbau wünschenswerten und im
Abbau störenden Verhaltens.
3.Auch
Nichtfachleute können die Prinzipien der Belohnung und Bestrafung erlernen
und anwenden. Die Wirksamkeit der Behandlung ist meßbar.
Die isolierte Anwendung lerntheoretischer Erkenntnisse kann Aggressionen
fördern, weil hier die Gefahr einer unangemessenen Förderung
unauffälligen Verhaltens besteht. Schließlich wird das obengenannte
wünschenswerte Verhalten nicht vom betroffenen autistischen Menschen,
sondern von seinem Therapeuten bestimmt.
3. Führen
Félicie Affolter geht bei ihrem Förderansatz des
Führens, der sich an alle wahrnehmungsgestörten Kinder richtet von
folgenden Voraussetzungen aus:
1.Verhaltensänderung
und Lernen sind auf Spürinformationen (taktile Reize) angewiesen und
erfolgen in Stufen.
2.Ohne
therapeutische Unterstützung erhalten wahrnehmungsgestörte (also auch
autistische) Kinder nur ungenügende Spürinformationen.
3.Gespürte
Informationsvermittlung kann über das Führen verschiedener Teile des
Körpers - auch bei Schwerstgeschädigten - erfolgen.
Beim Führen soll im Rahmen "problemlösender Alltagsgeschehnisse"
den Kindern durch das Führen meist der Hände das Erreichen bestimmter
gewünschter Wirkungen ermöglicht werden. Die Kinder sollten in allen
möglichen täglichen Situationen geführt werden. Dies macht das
Familienleben nicht unbedingt leichter.
4. Differentielle Beziehungstherapie
Bei der Differentiellen Beziehungstherapie versucht der Therapeut in den
ersten Wochen sich gegenstandstypische Eindeutigkeitseigenschaften anzueignen.
Er bringt sich als »Objekt« in stereotype Verhaltensmuster des
autistischen Kindes ein.
Später soll dann der Therapeut immer mehr aus der Rolle des Objekts in
die eines Subjekts wechseln, um so dem Kind die Möglichkeit zu geben, ein
seinen Fähigkeiten entsprechendes Maß an sozialen Kompetenzen zu
erwerben.
Janetzke hebt hierbei hervor, daß mit dieser Methode bei
Kindern recht gute Erfahrungen gemacht wurden, die Erfolgsaussichten für
Jugendliche und Erwachsene eher gering sind.
5. Sensorische Integrationstherapie
Bei der sensorischen Integrationstherapie handelt es sich nicht um ein
spezielles, auf Autismus konzentriertes Konzept. A. Jean Ayres,
entwickelte ihr Konzept für alle Kinder mit Lernschwierigkeiten.
Sie selbst zweifelt daran, ob ihr Ansatz autistischen Kindern wesentlich
helfen kann.
Es wird hierbei davon ausgegangen, daß Autismus zum Teil Folge einer
gestörten Wahrnehmungsverarbeitung ist. Auf das Kind einströmende
Reize können nicht entsprechend differenziert und verarbeitet werden -
Verschiedene Reize erreichen erst gar nicht das Gehirn.
Es soll nun versucht werden, für das Kind Reize zu schaffen, die es
erreichen, andere Reize sollen vermindert oder ganz erspart werden.
Besonders interessant scheint die sensorische Integrationstherapie im
Zusammenhang mit schwerstmehrfachbehinderten Kindern mit autistischen
Zügen.
6. Andere Therapiekonzepte
Der Markt an verschiedenen Konzepten der Autismustherapie ist
wahrscheinlich noch größer, als die Anzahl der verschiedenen Theorien
zur Begründung des Symptoms. Dabei ist es für betroffene Eltern oft
nicht leicht zwischen erfolgversprechenden Ansätzen und weniger
aussichtsreichen, manchmal sogar betrügerischen Ansätzen zu
unterscheiden.
Einige weitere praktizierte Therapien seinen im folgenden kurz
erwähnt. Ihr Hintenanstehen nach den obengenannten Ansätzen bedeutet
keine Wertung, eine genaue Erklärung aller Ansätze würde den
Rahmen diese Arbeit jedoch bei weitem sprengen.
Kommunikationsorientierte Ansätze:
•Gebärdensprachtherapie
Vera Bernhard-Opitz: Schaffung v. Kommunikationsmöglichkeiten -
Aggressionsabbau
•Tanztherapie
Janet Adler / Beth Kalish-Weiss / Elaine Siegel: Tanz als Mittel zur
Kommunikation
•Musiktherapie
Rolando O. Benenzon: Durch Reize aus Pränatalzeit die
"gläserne Hülle" durchdringen
•Therapeutisches
Reiten Max Reichenbach / H.E. Kaeser: körperliche Auswirkungen des
Sports & Angstminderung
•Clowntherapie
Howard Buten: (Clown "Buffo") Angstminderung und Schaffung von Kontakten
zur belebten Umwelt Tiertherapie
Des weiteren existieren noch hörwahrnehmungsorientierte und
biochemisch-körperorientierte Ansätze. Ersteren ist das Audiovokale
Training Alfred A. Tomatis und die Kompensatorische Gehörschulung
Guy Bèrards zuzuordnen.
Zu den biochemischen Therapieansätzen zählen einerseits
Diäten, welche im amerikanischen Raum zur Zeit boomen, und Vitamin- und
Mineralstofftherapien. Aber es existieren auch Versuche dem Problem des Autismus
medikamentös zu begegnen.
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||
|
This web site is a part of the project StudyPaper.com. We are grateful to Arno Fallast for contributing this article. Back to the topic site: StudyPaper.com/Startseite/Wissenschaft/Geistwissenschaften/Psychologie External Links to this site are permitted without prior consent. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
| deutsch | Set bookmark | Send a friend a link | Copyright © | Impressum | ||||||||||||||||||||||||||||||||||